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Handicap Fanclub bei der Einweihung der „Hall of Fame“ des deutschen Fußballs

Von Oliver Wüst, 01.04.2019

Der Fußball lebt von Emotionen. So hat jeder Fußballfan seine ganz persönlichen Momente, seine persönlichen Highlights, die ihn mit diesem wundervollen Spiel verbinden. Einige erinnern sich noch an den ersten Stadionbesuch mit Ihrem Vater. Wieder andere wissen noch ganz genau, wann sie Fan ihres Vereins oder eines bestimmten Spielers wurden. Für mich persönlich gab es in Verbindung mit unserer Nationalmannschaft bisher drei prägende Erlebnisse.

Zum einen die fragwürdigste Rote Karte der WM-Geschichte 1990 für Rudi Völler im Spiel gegen Holland. Dabei ging die Lampe in der Ferienwohnung zu Bruch.

Das Spiel Deutschland-Ecuador bei der Heimweltmeisterschaft 2006, welches ich gemeinsam mit meinem Vater im Stadion verfolgte. Ein kleines Dankeschön an ihn für die vielen Auswärtsfahrten die er mit mir als Kind unternahm.

Und zu guter Letzt das spektakuläre EM Halbfinale in Basel zwischen Deutschland und der Türkei bei der EURO 2008. Dies war aber nicht nur wegen des spannenden Spielverlauf von 3:2 in meiner Erinnerung, denn unser Organisation– und Ticketbeauftragter Thomas Vorberger, schaffte es mit unglaublichem Aufwand, die schon verloren geglaubte Karte im Zentrallager der Post, am Leipziger Flughafen, wiederzufinden und in Empfang zu nehmen.

Nun kennen wir alle die großen Eckpfeiler der deutschen Fußballgeschichte. Herberts Zimmermanns Worte: „Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen!“ begründeten gar den Neubeginn einer ganzen Nation als dieser Rahn schoss und traf. 1974 führte der Kaiser unser Team zum Sieg bei der ersten Heimweltmeisterschaft. Lothar Matthäus reifte während der WM 1990 zum Weltstar.

Am Montag den 1. April 2019 wurden all diese Moment in einem würdigen Rahmen mit der Gründung der „Hall of Fame“ im deutschen Fußballmuseum geehrt.

Und alle waren Sie da. Maier, Brehme, Beckenbauer, Breitner, Netzer, Sammer, Matthäus und Uwe Seeler. Postum wurden Fritz Walter, Helmut Rahn und Sepp Herberger mit der Aufnahme in die „Hall of Fame“ geehrt. Paul Breitner nahm die Trophäe für den erkrankten Gerd Müller in Empfang.

Das Besondere am Fußball sind die Überraschungen, die das Spiel immer wieder bereithält. So war ich völlig überrascht, als ich zwei Tage vor der Veranstaltung die Einladung bekam, mit der ich an der Eröffnung der „Hall of Fame“ beiwohnen durfte. Und ich kann schon jetzt sagen, dass meine schönsten Fußballmomente um einen sehr besonderen Moment erweitert wurden. Alle Größen des deutschen Fußballs und Idole meiner Kindheit an einem Abend vereint. Und wie „Uns Uwe“ an dem Abend vor laufenden Kameras passend sagte. „Jeder hat seine Beschäftigung, aber wenn wir uns sehen ist es, als wenn wir jeden Tag zusammen wären. So sind sie die Fußballer und da danke ich für.“ Denn die ganz Großen sind freundlich, authentisch und absolut auf dem Boden geblieben.

Das bestätigte sich durch einige Gespräche an diesem Abend.

Im Alter von 10 Jahren durfte ich im Ruhrstadion ein Vorspiel bestreiten. Danach spielte der VfL Bochum gegen die Bayern aus München mit meine Idolen Ralf Zumdick und Jean – Marie Pfaff im Tor. Ein bestens und wie immer lustig aufgelegter Jean - Marie Pfaff erinnerte sich tatsächlich noch an dieses Spiel. „Aua, drei Stück habe ich kassiert. Stefan Kuntz! Aber sach mal, gibt’s noch diese tollen Diskotheken in Bochum?“

Mit dem sehr freundlichen und charmanten Christoph Daum kam es ebenfalls zu einem kurzen Gespräch. Er war angetan von der Idee ein Foto mit Ihm auf der Homepage des Handicap Fan Club der Fußballnationalmannschaft zu veröffentlichen.

Die Gespräche mit Uwe Seeler und Franz Beckenbauer werden mir sicherlich noch sehr lange in prägender Erinnerung bleiben.

Uwe Seeler machte aus seinen Sorgen um seinen HSV keinen Hehl und wusste auch gleich eine Lösung für die Probleme. Stürmer, wir brauchen richtige Stürmer.

Franz Beckenbauer berührte mich mit seiner Reaktion auf meinen Hinweis, dass der WM Sommer 2006 der schönste Sommer meines Lebens war. Denn er selbst war sehr berührt von meinen offenen und emotionalen Worten. Wir tauschten uns noch darüber aus, dass letztendlich die Gesundheit doch das wertvollste ist was ein Mensch besitzt. Und was gibt es schöneres, als für einen kurzen Moment mit einem der größten Fußballer des Landes so eng verbunden zu sein.

Der ehemalige DFB Präsident Reinhard Grindel rundete diesen wundervollen Abend mit sehr passenden Worten ab, als er anmerkte warum „Uns Uwe“ immer noch so beliebt ist, obwohl er keinen EM oder WM Titel gewann.

Totale Einsatzbereitschaft, Bescheidenheit und die Liebe zum Verein, das ist es doch was Fans damals wie heute mit ihren Idolen verbindet. Die 26 Journalisten bewiesen ein feines Händchen bei der Wahl der „Hall of Fame“. Denn alle die dort nun verewigt sind, vereinen diese Tugenden weit über das Karriereende hinaus.

weitere Infos gibt es unter NEWS